Generali Open Kitzbühel: Miedler nach Krimi im Doppelhalbfinale
Die Halbfinalpartien des Generali Open Kitzbühel stehen – und erstmals war der Center Court in diesem Turnierjahr restlos ausverkauft. Yannick Hanfmann setzt seine ganz persönliche Kitzbühel-Erfolgsgeschichte fort und kämpft am Freitag gegen Quentin Halys um den Finaleinzug. Im zweiten Halbfinale fordert Tomás Martín Etcheverry den topgesetzten Alexander Bublik. Lucas Miedler und Marc Polmans brachten die Stimmung am späten Donnerstagabend mit ihrem Halbfinaleinzug im Doppel noch einmal zum Beben.
Ein Deutscher spielt sich in Kitzbühel zum Mann der Rekorde: Yannick Hanfmann (ATP 52) ließ dem Kitzbühel-Sieger von 2023, dem Argentinier Sebastián Báez (ATP 56), beim 6:3, 6:1 kaum eine Chance und zog bereits zum vierten Mal in das Halbfinale des traditionsreichen ATP-250-Sandplatzturniers ein. Mit 34 Jahren und über acht Monaten ist Hanfmann der älteste Halbfinalist in der neuen Ära des Generali Open Kitzbühel. Gegen Báez bestritt der Deutsche zudem bereits sein 22. Match in der Gamsstadt – bei keinem anderen ATP-Turnier stand er häufiger auf dem Platz. „Vom Anfang bis zum Ende war es eine solide Performance. Ich bin sehr froh, dass ich derzeit so gut spiele. Ich liebe es“, freute er sich nach seinem klaren Viertelfinalerfolg.
Warum es für ihn ausgerechnet in Kitzbühel immer wieder so gut läuft, kann sich Hanfmann selbst kaum erklären: „Ich habe keine Worte dafür. Es ist eine Kombination aus allem. Ich liebe Kitzbühel und diesen Court hier. Es ist wahrscheinlich einer der Plätze, auf denen ich die meisten Matches meiner Karriere bestritten habe. Die Stimmung ist wie immer super, und es sind viele Leute hier.“ Bereits 2020 hatte Hanfmann in Kitzbühel das Finale erreicht, 2022 und 2024 stand er jeweils im Halbfinale. Nun bietet sich ihm erneut die Chance auf den Einzug ins Endspiel. Dafür muss er am Freitag an Quentin Halys vorbei. Der Franzose (ATP 83) setzte sich gegen den Argentinier Mariano Navone (ATP 47) mit 7:5, 6:3 durch und erreichte damit das vierte ATP-Semifinale seiner Karriere.
Etcheverry erneut unter den besten Vier
Auch Tomás Martín Etcheverry fühlt sich in Kitzbühel pudelwohl. Die Nummer vier der Setzliste und Nummer 31 der Welt bezwang in einem südamerikanischen Viertelfinalduell den fünftgereihten Peruaner Ignacio Buse (ATP 35) mit 6:2, 7:5 und zog beim Generali Open Kitzbühel zum zweiten Mal unter die letzten Vier ein. „Ich habe wieder auf einem guten Niveau gespielt und bin froh, dass es heute so gut geklappt hat. Es ist mein zweites Halbfinale hier in Kitzbühel – ein Turnier, das ich sehr gerne spiele. Die Höhenlage passt gut zu meinem Spiel und ich bin stolz, wieder im Halbfinale stehen zu dürfen“, erklärte Etcheverry.
Für den Argentinier, der im Mai erstmals zur Nummer eins seines Landes aufgestiegen war, hat das Turnier in der Gamsstadt auch im Saisonkalender eine besondere Bedeutung: „Es ist mein letztes Sandplatzturnier in diesem Jahr. Deshalb möchte ich noch einmal ein gutes Resultat holen – auch, weil Sand mein Lieblingsbelag ist.“
Bublik komplettiert Halbfinale
Im letzten Einzelmatch des Tages setzte sich der topgesetzte Kasache Alexander Bublik (ATP 11) gegen Alex Molcan (ATP 81) mit 6:3, 6:2 durch. Der Slowake hatte in der ersten Runde Österreichs Nummer eins Sebastian Ofner aus dem Bewerb genommen, stand gegen Bublik aber auf verlorenem Posten. Auch diesmal bekamen die Zuschauer:innen einen echten Bublik-Auftritt geboten – inklusive eines Schlägers, der den emotionalen Ausbruch des 29-Jährigen nach fünf Doppelfehlern im Game zum 2:2-Ausgleich im zweiten Satz nicht unbeschadet überstand.
Sportlich behielt der Titelverteidiger in Summe jedoch klar die Kontrolle und fixierte das Halbfinalduell mit Etcheverry: „Er ist ein guter Spieler und hat vor kurzem seinen ersten ATP-Titel auf Sand gefeiert. Es wird ein sehr herausforderndes Match. Ich versuche, morgen bereit zu sein, mich gut zu fühlen und sehr gut zu servieren“, blickte Bublik auf die Begegnung mit dem Argentinier voraus.
Miedler/Polmans lassen den Center Court beben
Begleitet von lautstarken „Oh, wie ist das schön“-Sprechchören brachten Lucas Miedler und sein australischer Partner Marc Polmans am späten Donnerstagabend den Center Court noch einmal zum Beben. Die zweitgereihten, frischgebackenen Gstaad-Champions setzten sich gegen Jean-Julien Rojer (Niederlande) und Theodore Winegar (USA) nach einem Viertelfinalkrimi mit 6:2, 6:7 (2), 14:12 durch und zogen damit ins Halbfinale des Doppelbewerbs ein. Die beiden wehrten im Match Tiebreak gar zwei Matchbälle ab, ehe sie ihren dritten eigenen Matchball verwerten konnten – zur Freude der rot-weiß-roten Tennisfans.
„Oh Mann, das war ein unglaubliches Match. Die Unterstützung, die Atmosphäre und die Musik waren ein Wahnsinn. Ich habe es wirklich sehr genossen“, zeigte sich Polmans nach dem stimmungsvollen Erfolg begeistert. Auch Miedler bedankte sich beim Kitzbüheler Publikum: „Doppel funktioniert, wenn man das der ATP zeigt“, spielte er auf die Bestrebungen der ATP an, die Doppelfelder ab 2028 deutlich zu reduzieren. „Es war im Endeffekt erst die zweite Runde, aber mit euch im Rücken hat es sich fast wie ein Finale angefühlt. Wir haben es leider ein bisschen spannender gemacht als wir alle gehofft hatten. Dafür war die Stimmung umso besser und die Atmosphäre unglaublich. Danke an alle, dass ihr so lange geblieben seid.“
Für Lukas Neumayer und Vorjahresfinalist Joel Schwärzler war hingegen gegen die topgesetzten Pierre-Hugues Herbert und Kevin Krawietz Endstation. Der Salzburger und der Vorarlberger, die eine Wildcard erhalten hatten, mussten sich im Viertelfinale dem topgesetzten, französisch-deutschen Gespann mit 3:6, 4:6 beugen. Herbert/Krawietz eröffnen nun den Spielbetrieb auf dem Center Court am Freitag um 10:30 Uhr gegen Krawietz’ drittgelistete Landsleute Jakob Schnaitter und Mark Wallner. Um nicht vor 12:30 Uhr folgt das erste Einzelhalbfinale zwischen Hanfmann und Halys, danach das zweite zwischen Bublik und Etcheverry. Den Abschluss dürfen erneut Miedler/Polmans bilden, die im Kampf um einen Platz im Finale auf Narayanaswamy Sriram Balaji (Indien) und André Göransson (Schweden) treffen. ServusTV überträgt ab 12:20 Uhr live.